Es ist der Herr!

18.04.2026

Als junger Mensch regt man sich schneller auf als später. Als mir das als junge Schwester damals so ging, sagte meine damalige Oberin: "Regen Sie sich nicht auf. Es ist der Herr." Können Sie sich mein verständnisloses, verblüfftes Gesicht vorstellen?

Mit den Jahren verstand ich, und heute bewahrt mich diese Erinnerung – "Es ist der Herr!" – oft davor, vorschnell zu reagieren.

An diese kleine Episode muss ich immer denken, wenn mir die Geschichte vom reichen Fischfang begegnet. Der auferstandene Jesus, der von niemanden erkannt wird, schickt die Jünger zu einer widersinnigen Zeit aus, um es nach einem erfolglosen Fischfang noch einmal zu versuchen. Die Netze werden prallvoll. Johannes, der Lieblingsjünger Jesu, erkennt den geliebten Freund und sagt zu Petrus: "Es ist der Herr." (vgl. Joh 21,7)

Immer dann, wenn etwas geschieht, was uns extrem überrascht – positiv oder negativ – ist es eine Botschaft vom Herrn. Dieser Glaube hilft ungemein ruhig und gelassen zu bleiben.

Ich denke, Katharina Kasper war dieser Gedanke auch nicht fern. Sie hat mal gesagt: "Nehmen wir die Mühen, Beschwerden, Kreuze, Prüfungen, Schwächen und Gebrechen körperlicher und geistiger Art und alles, was uns begegnet, an als vom lieben Gott geschickt oder zugelassen, tragen und dulden wir sie aus Liebe zu Gott." (Brief 67) (und nehmen wir auch ebenso alles Schöne und Erfreuliche dankbar so an.)

Ich finde, der Gedanke, dass Gott dies oder das – was nicht so leicht für uns ist - zugelassen hat, ist schon sehr hilfreich. Denn wenn er es zugelassen hat, dann will er mir ja etwas damit sagen. Und wenn er mir etwas damit sagen will, dann ist es wesentlich leichter zu ertragen, als wenn der liebe Mitmensch mir da 'ein Bein gestellt' hat. Diese Erfahrung mache ich jedenfalls immer.

Es ist der Herr – und er will mir etwas sagen. Nehmen wir es deshalb dankbar an aus Liebe zu Gott, wie Katharina sagt, denndas sagt sie auch: Gott will uns so gerne glücklich machen. (Brief 200)

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