Kreuzestheologie

27.06.2026

Bei der heiligen Edith Stein und bei dem heiligen Johannes vom Kreuz spricht man von ihrer Kreuzestheologie. Auf so eine Idee kommt man bei der heiligen Katharina nicht. Ob das daran liegt, dass die beiden große Theologen waren? Davon ist Katharina ja weit entfernt. Und doch sagt sie so viel über das Kreuz, und sie sagt so viel Hilfreiches über das Kreuz, dass man nur staunen kann. Wir sind auf dem Weg, sie auch als Theologin zu entdecken.

Das Kreuz gehört für Katharina zu unserem Leben dazu. Es gibt kein Leben ohne Kreuz. Und doch sind es für sie kleine Kreuze – "Kreuzchen" – im Vergleich zu dem Kreuz, das der Herr für uns getragen hat. Sie ist auch davon überzeugt, dass alles Leid, alle Unannehmlichkeiten und alles Schwere letztlich von Gott kommen – d.h. dass Gott hinter allem steht -, und deshalb sind "Kreuz und Leiden Gnadenerweise Gottes". (Brief 81)

Wie gesagt, das Kreuz gehört dazu, wir müssen aber lernen, damit gut umzugehen. "Es ist und bleibt ja immerhin für den natürlichen Menschen ein Kreuzchen, was die arme menschliche Natur empfindet und die Tage dieses Lebens sehr trübt. Wir wollen denn recht für- und miteinander beten, dass wir mit Gottes Hilfe unser Kreuzchen tragen, aber auch großen Nutzen daraus ziehen." (Brief 71)

Kann man das lernen? Katharina ist davon überzeugt. "Denn den Weg des Kreuzes müssen wir alle gehen; aber Jesus hat uns diesen Weg gezeigt zu gehen, weil er uns zum schönen Himmel führt." (Brief 279)

Ich scheue mich nicht, bei Katharina von einer Kreuzestheologie zu sprechen. Obwohl sie keine Theologie studiert hat, hat sie bei allem Denken immer das ganze Leben Jesu im Blick, betrachtet das ganze Leben, um daraus zu lernen, Nutzen zu ziehen. "Gewiss fehlt es nicht an Kreuz und Leid, … im einzelnen und allgemeinen, welches uns ja auf dieser Welt nicht fehlen darf. Unser Herr und Gott ist uns ja vorausgegangen von der Krippe bis zum Kreuze, nicht wahr? 'Der Knecht ist doch nicht mehr als der Herr.' (Mt 10,24)." (Brief 123)

Katharina ist schon eine große Heilige – und eine Lebenskünstlerin.

Share