Unglaube vs. Zweifel
Ganz ehrlich? Mich nervt das Gerede vom ungläubigen Thomas. Der Mann hat zutiefst geglaubt. Er hat Jesus geglaubt. Er hat an Jesus als den Messias geglaubt, - so sehr, dass er mit ihm sterben wollte. Sein Tod hat Thomas nicht nur erschreckt; er hat ihn total erschüttert und verunsichert und aus der Bahn geworfen.
Und dann wird einem erzählt, dass der Tote lebt. Ist sein Zweifel nicht nachvollziehbar? Hätten wir anders reagiert? Bestimmt nicht.
Thomas ist nicht ungläubig. Er zweifelt. Das ist ein riesiger Unterschied.
Auch Katharina kannte den Zweifel. Aber ich bin sicher: Keiner von uns käme auf die Idee, sie als ungläubig zu bezeichnen. Oder?
Zweimal in ihren Briefen spricht sie von Zweifeln, die sie plagten.
Einmal erzählt sie dem Bischof von ihren ganz persönlichen Gotteserfahrungen. Sie empfindet tiefe Freude und großes Glück. Und doch – oder gerade deshalb? – bekommt sie Zweifel, ob das alles keine Täuschung sei. Sie schreibt dem Bischof: "O ich wollte gerne alles sagen, wenn ich nur könnte. Sie würden mir gewiss alle meine Zweifel lösen können. O beten Sie doch mal ganz viel für mich, dass ich doch in allem den heiligen Willen Gottes erfülle." (Brief 2)
1878 hatte Katharina Schwestern nach England geschickt. Das Leben der Schwestern in London-Eastend war sehr schwierig. Die Niederlassung befand sich in einem ärmlichen und asozialen Stadtteil, in dem fast keine Christen wohnten. Sie schreibt an die dortige Oberin: "Mir kommt oft der Gedanke, England sei vielleicht nicht der Ort, wo uns der liebe Gott haben wolle, weil ja unsere Gemeinschaft schon so sehr verbreitet ist." (Brief 66) Die Schwestern, die jetzt dort unter so schwierigen Bedingungen leben müssen, könnte sie gut in der Heimat in den schon bestehenden Niederlassungen einsetzen. Und doch auch hier schreibt sie: "Wir müssen anbeten die Vorsehung. Gott weiß am besten, wo es fehlt und wie es am besten ist. Sein heiliger Wille geschehe allezeit, in allem und überall." (ebd.)
Der Zweifel ist kein Unglaube. Glaube ist einerseits Gnade und andererseits ein Sich-einlassen des Menschen und ein Sich-überlassen dem, was Gott schenkt. Der Zweifel ist ein innerer Kampf, ein Hinterfragen, ein "Schwanken", oft verbunden mit dem Wunsch nach Erkennen und Glaubens-Sicherheit.
Der Zweifel ist letztlich ein Suchen nach Gottes Willen, den zu erkennen nicht immer einfach ist. Das weiß auch Katharina nur zu gut: "Bei den jetzigen Zeiten ist es sehr schwer, den heiligen Willen Gottes zu erkennen." (Brief 51)